Wallfahrtsorte in Europa
Polen
Inbrünstige Prozessionen, herrliche Kreuzwege, würdevolle Kathedralen. Noch ist der Katholizismus in Polen tief verwurzelt. Regionale Feste, Volksfrömmigkeit und die einzigartige Verbindung von Religion und Nation lassen eine Wallfahrt zum Erlebnis werden. Unbeschreiblich ist auch die Intensität der Gefühle, mit der Johannes Paul II. auf seiner IX. Apostolischen Reise in die Heimat empfangen wurde. Mindestens gemischte Gefühle hinterlässt hingegen die traditionelle Judasverbrennung in der Karwoche. Zahlreiche Fotografien von Festlichkeiten in den wichtigsten polnischen Heiligtümern sowie praktische Informationen und Links zu jedem Sanktuarium.
Kroatien
Korcula ist eine Insel in der Adria. Viele sagen, die schönste überhaupt. Durch einen hohen Berg von kalten Ostwinden geschützt, ist bereits die Karwoche angenehm frühlingshaft. Touristen sind um diese Zeit kaum in dem gleichnamigen Hauptort, dessen Einwohner in der Nacht des Karfreitag eine düstere Prozession veranstalten.
Bosnien-Herzegowina
Medjugorje liegt nur wenige Kilometer von Mostar und doch Lichtjahre von der zerstörten Stadt entfernt. Die (kroatischen) Bewohner des Ortes sind sicher, dass es die Muttergottes war, die sie vor größeren Verlusten während des Krieges bewahrt hat. Bayerische, amerikanische, spanische und viele andere Wallfahrer haben dem Dorf einen wahren Boom beschert. Mitten in der westherzegowinischen Karstlandschaft floriert der Fremdenverkehr. Pilger holen sich blutige Füße beim Aufstieg auf den Erscheinungshügel und strafen amerikanische SFOR-Soldaten, die plötzlich aus dem Buschwerk auf den Pilgerfahrt treten, mit Nichtachtung. Die Marien-Erscheinung ist zum Zankapfel in der katholischen Kirche geworden.
Spanien
Der Philosoph Miguel Unamuno stellte im frühen zwanzigsten Jahrhundert fest: "Hier in Spanien sind wir alle Katholiken, sogar die Atheisten." Nun haben sich die Zeiten geändert, wurde Andalusiens tief sitzender Antiklerikalismus durch die Herrschaft General Francos sicher noch verstärkt und hat die fortschreitende Säkularisierung der westlichen Welt auch im Norden Spaniens ihre Spuren hinterlassen. Die Traditionen sind dennoch lebendig: Die sinnenfrohe Semana Santa in Andalusien, die ausgelassene Pferdewallfahrt von El Rocío oder auch die Jakobswallfahrten im zurückhaltenderen Galicien.
Tschechien (Böhmische Länder)
Die vorwiegend katholischen Deutschböhmen und Deutschmährer wurden noch unter der bürgerlichen Regierung der Tschechoslowakei vertrieben. Ihre Traditionen wurden nicht wieder aufgenommen. Besonders in Böhmen hat später die frei gewählte kommunistische Herrschaft Klöster zu Konzentrationslagern umfunktioniert und die Ordensleute interniert. Heute drängt sich der Vergleich mit dem Diaspora-Katholizismus in den neuen Bundesländern auf; dennoch besteht Tschechien nicht nur aus Hussitentum und Atheismus.
Deutschland
Dass ausgerechnet Benedikt XVI., der Papst aus Deutschland, den Relativismus der westlichen Gesellschaften beklagt, hat sicher nicht unwesentlich mit seiner Herkunft zu tun. Aber nicht nur in Bayern, sondern auch in Gegenden mit nichtgläubiger oder evangelischer Mehrheitsbevölkerung finden sich hin und wieder Kleinodien katholischer Ästhetik, die trotz oder gerade wegen der Diasporasituation lebendig geblieben sind.
Frankreich
Trotz ideologisch verfochtener Trennung von Staat und Kirche spürt man in französischen Gemeinden ein lebendiges Miteinander - oder vielleicht gerade wegen des Laizismus? In dem malerischen Auvergne-Städtchen Le Puy en Velay wird das überaus seltene Zusammenfallen der Hochfeste Mariä Verkündigung und Karfreitag stets mit einer großen Wallfahrt begangen; 2005 zum dreißigsten Mal. Jakobspilger, Büßer unter weißen Kutten und ein Kreuzweg mit der überwältigenden Aussicht auf die Felsenkirche "St. Michel".
Irland
Der Kampf um Unabhängigkeit dominiert Irlands Geschichte. Zuletzt flammte er während des Bürgerkriegs in Nordirland im 20. Jahrhundert wieder auf. Mittlerweile schweigen die Waffen mehr oder weniger. Prallten hier tatsächlich Katholiken und Protestanten wegen ihrer Konfessionen aufeinander, wie in den Nachrichten immer behauptet wurde? Einzigartig ist die Kunstform der "Murals", mit der beide Seiten den Konflikt auf Häuserwänden ästhetisieren.
Bulgarien
Das christliche Bulgarien hat eine zwiespältige Gegenwart: Einerseits erlebt die autokephale, orthodoxe Kirche des Landes, der vielfach zugeschrieben wird, nur sie habe die bulgarische Nation unter der fünfhundertjährigen osmanischen Herrschaft bewahrt, einen wachsenden Zuspruch. Andererseits hat die kommunistische Herrschaft zu einer noch immer spürbaren Profanisierung geführt. Die wenig aufgeschlossene und eher jenseitsorientierte Haltung der Mönche und Priester erleichtert es nicht, beide Welten miteinander zu vereinbaren. Eine Reise zu bulgarischen Klöstern erlaubt dem Fremden vielleicht einen kleinen Einblick in die Mystik der Orthodoxie, vor allem aber einen großen in die Schönheit der bulgarischen Landschaft.
Vatikan
Zwar ist die Generalaudienz des Heiligen Vaters in Rom durchaus ein Massenereignis, doch gibt es kaum eine andere Gelegenheit, dem Papst so nah zu sein. Wer früh kommt, kann mit etwas Glück einen Platz in den vorderen Reihen ergattern. Seit der Wahl Joseph Kardinal Ratzingers zum Papst sind die Pilgergruppen aus Bayern eindeutig in der Überzahl und bereiten dem Pontifex einen furiosen Empfang mit Blaskapelle, Rautenflaggen und Bayernhymne. Ein Erlebnis, das sich ein Rom-Reisender eigentlich nicht entgehen lassen darf.
Italien
Italien und die katholische Kirche, das ist einerseits das lebendige Klischee der Marienverehrung in einem zutiefst konservativen Land, andererseits aber auch die Geschichte eines Kampfes zwischen dem Kirchenstaat und der späten italienischen Nation um die Macht im Land, das den heute nur noch kleinen Vatikanstaat umgibt. In Loreto, dem bekanntesten Marienwallfahrtsort Italiens, wird das Fest der Geburt der Gottesmutter ungeachtet dieser Geschichte derart ausgiebig gefeiert, dass man versucht ist, es mit Weihnachten zu verwechseln.
Schweizerische Eidgenossenschaft
Die Eidgenossenschaft ist nicht nur im Hinblick auf die verschiedenen Sprachen eine konföderative Willensnation. Auch konfessionell geht es bunter zu, als man auf den ersten Blick ahnt. Auch wenn die Gesellschaft insgesamt in ihrer Strenge erkennbar vom reformierten Protestantismus Calvins und Zwinglis geprägt sein mag, spielt die katholische Kirche durchaus eine Rolle. Das innerschweizerische Maria Einsiedeln ist der größte Wallfahrtsort des Landes. Die Liturgiereform des II. Vatikanum wird hier ernst genommen und die Heilige Messe auf Schwyzerdütsch gehalten.










