Auch heuer stand Weseritz (Bezdružice) am Samstag des ersten Maiwochenendes wieder ganz im Zeichen des Heiligen Florian. Nach der Einstimmung der ersten Gäste durch das Jugendorchester „DOM Juvenka“ sowie der offiziellen Eröffnung und Begrüßung der Gäste zeigte der Bürgermeister uns ganz exklusiv den gerade modernisierten Eingangs- und Küchenbereich des Kulturhauses (kulturní dům) sowie den bereits fertig renovierten Zeremoniensaal im Rathaus. Unter anderem wird dort wohl geheiratet werden. Aber auch ohne Hochzeit hat uns der Saal beeindruckt, und zwar so sehr dass wir zu spät zur Wallfahrtsmesse in der Mariä-Himmelfahrtskirche kamen. Die Damen, die sich stets rührend um die Vorbereitung der Messfeier kümmern, haben zuvor ein zufällig anwesendes Besucherpaar aus Sachsen für die deutschsprachige Lesung „verpflichtet“. Sie fürchteten wohl, wir kämen gar nicht mehr.

Kultureller Höhepunkt des Tages war eine Ausstellung über die 24 kam lange Lokalbahnstrecke von Neuhof (Pňovany) nach Weseritz, deren Eröffnung 125 Jahre zurückliegt. Der örtliche Fotograf, Chronist und Bahnenthusiast Jiři Bízek zeigt darin aktuelle und historische Aufnahmen, aber auch Erinnerungsfotos von Bahnangestellten und Reisenden. Zu sehen sind Bilder aller zehn Bahnhöfe dieser landschaftlich bezaubernden Strecke sowie der spektakulären Fischbauchträgerbrücke über die aufgestaute Miesa. Außerdem alle möglichen Geräte, Schilder und Fahr- und Streckenpläne der letzten 125 Jahre. Die Ausstellung ist noch bis zum 30. September 2026 geöffnet, und zwar werktags von 9 bis 15 Uhr im Harant-Haus (Dům u Haranta) am Marktplatz.
Das gemeinsame Mittagessen, zu dem der Bürgermeister, Lumír Kadlec, die ehemaligen deutschen Bewohner und ihre Nachkommen jedes Jahr einlädt, fand im Gasthaus „Hospůdka u Jaruš“ (neue Bewirtschaftung) am Sportplatz statt. Anwesend waren wie im letzten Jahr Ingrid (Ortsbetreueirn, Böhmischmühle) und Wolfgang Fröhlich und Marc Cannizzo, der den langen Weg aus Bukarest nicht gescheut hat, um wieder an den Ort zu kommen, an dem sein Vater als amerikanischer Soldat nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stationiert war (Staatsbeamtenhaus). Erstmals nahm das Ehepaar Garscha mit Vorfahren aus den heutigen Weseritzer Ortsteilen Krips (Křivce) und Patzin (Pačín) an dem Treffen teil. Und ohne Jan Florian (Lokale Aktionsgruppe Český Západ) und seine hilfreiche Übersetzung wären die Gespräche nur schwer möglich gewesen.

Wir erfuhren wieder viel neues aus Weseritz. Das Schloss steht noch immer zum Verkauf – trotz inzwischen mehrfacher Anläufe für eine Versteigerung. Jedes Jahr versteckt sich das barocke Schmuckstück tiefer hinter der ungezügelt wachsenden Vegetation. Am anderen Ende des Marktplatzes, zwischen dem ehemaligen Kriegerdenkmal und dem Kaufmann Holdschick, befanden sich zwei ungenutzte Grundstücke (Hausnummern 95 und 96, ehemals Lehnerl und Fischer). Im Sommer letzten Jahres entdeckte ich auf dem damals gerade freigeräumten Terrain zufällig einige Grabsteine, die nur ein paar Zentimeter aus der Erde herausragten. Die Stadtverwaltung hat sie dankenswerter Weise geborgen, gesäubert und im Lapidarium am Rande des Friedhofs untergebracht. Sie schmückten einst die Gräber von Theresia Schluppeck (1937-1897), Magdalena Wagner (1846-1900), Maria Fischer, geborene Glaser (1825/27-1896), sowie deren Tochter Henriette Fischer (1860-1895).
Zum Abschluss des Treffens überraschte uns der Bürgermeister, der die ganze Zeit mit uns verbracht hat, noch mit einem ganz besonderen Geschenk. Neben einer Flasche Wein überreichte er jedem eine detaillierte und reichlich illustrierte Dokumentation zur Bürgerschule, die 2025 ihr hundertjähriges Besehen feierte. Autor ist Jiři Kalista, der selbst aus Weseritz stammt und im benachbarten Konstantinsbad (Konstantinovy Lázně) lebt. Die tschechischsprachige Broschüre, die sich nicht auf die Geschichte der Schule beschränkt, sondern auch als Ortschronik durchgehen würde, kann während der Öffnungszeiten auch in der Stadtverwaltung erworben werden.
Der Beitrag ist im Heimatbrief für die Bezirke Plan-Weseritz und Tepl-Petschau, September/Oktober 2026, erschienen.
